Zum alten Kaufhaus
Das Haus Markt 30, „Zum alten Kaufhaus“, wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Es war ein schmales viergeschossiges, verputztes Fachwerkhaus mit vorkragenden Obergeschossen und typischem schieferverkleideten Giebel. Es hatte ein Hinterhaus, Hinter dem Lämmchen 3. Seinen Namen trug das Haus von seinem Vorgängerbau, der 1320 und 1343 als „Kaufhaus“ und 1347 als „Zum alten Kaufhaus“ erwähnt ist. 1453 erscheint es im „Liber Vicariarum“ ebenfalls als „Zum alten Kaufhaus“, nun mit eindeutiger Ortsangabe, nämlich in der Straße der Kaufleute (also Markt) und neben dem Haus zum Würzgarten (Markt 28).
Das Haus „Zum alten Kaufhaus“ besaß einen kleinen Innenhof, in dem sich mehrstöckige Galerien mit Balusterbrüstungen hinzogen. Die horizontalen Tragbalken waren mit geschnitzten Eichenholzbrettern verziert. Deren Gesamtlänge betrug 12 m, die durchschnittliche Höhe 25 cm. Dargestellt waren biblische Szenen in Art und Weise der Entstehungszeit, des 16. Jahrhunderts, wobei die damals blühende Holzschnittillustration Anregungen gegeben haben dürfte und eventuell an die damals in Frankfurt tätigen Hans Sebald Beham und Jost Amman zu denken sein könnte. Die als mögliche Vorbilder dienenden Holzschnitte und Kupferstiche waren weit verbreitet. Die Qualität der Arbeiten erhob sich über den Durchschnitt der handwerklichen Produktion. Im Zweiten Weltkrieg wurden die kostbaren Schnitzereien durch die Besitzer abgenommen und in Sicherheit gebracht, so dass sie den Untergang des Hauses überlebten; sie befinden sich heute in den USA.
Eine weitere Besonderheit des Hauses waren künstlerisch gestaltete Kragsteine bzw. Konsolen aus Holz und Stein. So waren an den Kragsteinen der Fassade die hl. Drei Könige dargestellt, im Innern gab es eine Konsole mit dem Porträt Martin Luthers.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befand sich im Erdgeschoß eine Metzgerei, später die Gaststätte „Zur weißen Eule“ und zuletzt die „Binger Weinstube“.

