Frankfurter Besonderheiten

In unseren Vorträgen, aber auch bei Besichtigungen oder Führungen stellen wir Frankfurter Besonderheiten vor, denn, wie Johann Wolfgang von Goethe schrieb, „Frankfurt stickt voll Merkwürdigkeiten“. Zu diesen Besonderheiten gehören beispielsweise Goethe-Stätten in und um Frankfurt, darunter das Willemer-Häuschen, mit dem wir unsere kleine Reihe eröffnen wollen.

Willemer-Häuschen

Während seiner Kuraufenthalte im Rheingau weilte Goethe 1814 und 1815 auch bei befreundeten Familien in seiner Heimatstadt Frankfurt. Als „allerschönste Zeit“ empfand er dies. Denn im Hause des Bankiers Johann Jakob von Willemer hatte er Marianne Jung (1784-1860) kennengelernt, eine junge österreichische Tänzerin und Sängerin, die in Willemers Haus zusammen mit dessen Töchtern aus erster Ehe erzogen worden war und am 17. August 1814 Willemers Frau wurde. Die Begegnung zwischen Goethe und Marianne war für beide ein beglückendes Erlebnis, das sich in Gedichten beider im „Buch Suleika“ des „West-östlichen Divan“ widerspiegelt.

Willemer Häuschen, 2003

Nicht nur in Willemers Stadthaus und im Sommerhaus, der Gerbermühle, sondern auch im Gartenhaus auf dem aussichtsreichen, rebenbewachsenen Mühlberg begegneten sich Goethe und Marianne. Von dort aus beobachteten sie am Abend des 18. Oktober 1814 die aus Anlaß des Jahrestags der Völkerschlacht bei Leipzig rings auf den Höhen entzündeten Freudenfeuer. Das kleine, schieferverkleidete, achteckige Gartenhaus hatte Johann Jakob von Willemer im Jahre 1809 erworben. Es war wohl nicht allzu lange vorher erbaut worden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat die Stadt Frankfurt es vor dem Verfall gerettet. Sie ließ das verwahrloste Häuschen instandsetzen, und das Freie Deutsche Hochstift stattete 1902 das Innere mit schlichten Möbeln und Erinnerungs-gegenständen aus. Im März 1944 wurde das Haus durch Bomben zerstört. Nur die massiven Grundmauern hielten stand. Der Bezirksverein Sachsenhausen, das Freie Deutsche Hochstift und die Stadt Frankfurt haben seit dem Jahr 1962 gemeinsam den Wiederaufbau durchgeführt. Am 18. Oktober 1964, zur 150. Wiederkehr jenes denkwürdigen Tages 1814, wurde das Gartenhäuschen wieder geöffnet.

Geöffnet von Mitte April bis Mitte Oktober sonntags von 11 bis 16 Uhr.

Die Freunde Frankfurts bieten für die Mitglieder Führungen auf Goethes Spuren zum Mühlberg an.

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