Langer Franz
Zwischen 1900 und 1908 wurde an der neutrassierten Bethmannstraße der Neubau des Rathauses angrenzend an den Römer nach Entwurf von Franz von Hoven und Ludwig Neher in Formen aus Renaissance und Barock erbaut. Die Westseite des Rathaus-Südbaus wird durch zwei Türme flankiert. Der mit 70 m seinerzeit höchste Profanbau Frankfurts an der Bethmannstraße wurde bei der feierlichen Knaufsetzung zu Ehren des Oberbürgermeisters Adickes „Langer Franz“ getauft. Dieser Turm ist eine Nachbildung des ehemaligen, 1345 erbauten und 1765 abgerissenen Sachsenhäuser Brückenturms. Der niedrigere Südturm entsprach in seinem Dachaufbau dem alten, auf die Stadtmauer aufgesetzten Salmensteinschen Haus um 1350, das in der Gegend des Fischerfeldes war. Dieser kleine Turm wurde gelegentlich „Kleiner Cohn“ genannt, was als Reverenz an die Frankfurter Juden gedacht war.

Foto: J. Damis, 1910
Im März 1944 wurde der Lange Franz durch Brandbomben zerstört. Bei der Wiederherstellung nach dem Zweiten Weltkrieg wurden das spitze Dach und die vier Ecktürmchen der Modernisierung geopfert.
Seit Anfang der 80er Jahren wurde manchen bewußt, daß die allzu schlichten Turmhauben den städtebaulichen Zusammenhang nicht sichtbar machten und den Intentionen der Architekten des Rathaus-Neubaus, Franz von Hoven und Ludwig Neher, nicht gerecht werden. 1984 hatte Bankier Johann Philipp Freiherr von Bethmann, dessen Bankhaus im Bethmannhof zu Füßen des Langen Franz ansässig war, eine Spende in Aussicht gestellt, sofern der Umbau in Angriff genommen werde. Leider kam es, trotz weiterer Versuche, bis heute nicht dazu. Es ist der dringende Wunsch der Freunde Frankfurts, daß der Lange Franz wieder sein historisches Dach erhält.

