Römerberg

Heinrich Stürtz: Blick vom Römer nach Osten, 1944
Das Kernstück der Frankfurter Altstadt, die im März 1944 in Schutt und Asche gesunken war, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Gegensatz zu anderen Teilen der Altstadt nicht wiederaufgebaut. Planiert, diente sie jahrelang als Parkplatz. An der Ostseite des Römerbergs hatte man zwar zwei Häuser erstellt, doch sie blieben mit dem Rest vom Erdgeschoß des Schwarzen Sterns einsame Zeugen eines Wiederaufbauversuchs. Der aus einem Architektenwettbewerb 1962/63 hervorgegangene Plan eines kulturellen Zentrums wurde nicht weiterverfolgt. Zehn Jahre später entstand am Römerberg das Historische Museum und am Rande des planierten Bereichs das Technische Rathaus, das zu heftigen Diskussionen führte. Ferner entstand die Station Römer der 1974 eröffneten U-Bahn sowie eine Tiefgarage. Zu Füßen des Domturms wurden im Historischen Garten die Fundamente römischer Bauten, der karolingischen Pfalz und mittelalterlicher Bebauung zugänglich gemacht.
Die Freunde Frankfurts hatten sich 1969/1970 gegen das Technische Rathaus an der Nordseite des Bereichs zwischen Dom und Römerberg ausgesprochen. Gemeinsam mit anderen Kulturvereinen verteilten sie das Flugblatt „Bürger Frankfurts wehrt euch!“ mit einer Stimmzettelaktion gegen den Bau.
Das Verlangen nach historischer Identitätsfindung gewann in den 70er Jahren allmählich die Oberhand und führte schließlich 1978 zum Beschluß, die ehemaligen Straßenzüge Saalgasse und Bendergasse und einige Quergassen in modernen, doch das Alte aufgreifenden Formen und mit der Schirn Kunsthalle zu bebauen. Die Ostseite des Römerbergs, auch Samstagberg genannt, aber sollte in historischen Formen wiedererstehen. Nach alten Zeichnungen und Fotos wurden die aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammenden Häuser rekonstruiert, was an Architekten und Handwerker große Anforderungen stellte. Über sandsteinverkleideten Betonsockeln erhebt sich echtes Fachwerk. Ende November 1983 wurden die wiederaufgebauten Häuser eingeweiht: Großer Engel, Goldener Greif, Wilder Mann, Dachsberg/Schlüssel, Großer und Kleiner Laubenberg sowie der Schwarze Stern.
Die Freunde Frankfurts hatten sich für eine Wiedererrichtung des Samstagsbergs und des Schwarzen Stern in historischen Formen eingesetzt. Nach Fertigstellung der Häuser richteten die Freunde Frankfurts im Haus Dachsberg ein im ersten Stock befindliches Kolleg der Gaststätte Römerbembel als „Lübbecke-Stubb“ ein zur Erinnerung an den „Altstadtvater“ Dr. Fried Lübbecke, der 1922 den Bund tätiger Altstadtfreunde, den satzungsgemäßen Vorgängerverein der Freunde Frankfurts, gegründet hatte.


