Bürger Frankfurts wehrt euch!

25 Jahre nach der Zerstörung soll nun der Raum zwischen Dom und Römer bebaut werden. Das Konzept, das die Bauverwaltung zur Zeit der Bevölkerung anbietet, ist ein Alptraum: Elefantenfüße, wie sie der Volksmund nennt. Ein Rathaus mit drei Türmen, der höchste überragt das Langhaus des Domes um fast zehn Meter, soll gebaut werden. Der Neubau wird mehr als ein Drittel des gesamten Raumes einnehmen. ... erschlägt eine solche Baumasse den Platz zwischen Dom und Römer.

Bürger Frankfurts! Diese Baumasse suchen sie vergebens auf dem preisgekrönten Entwurf von 1963. Damals hatte die Stadt einen Wettbewerb zwischen namhaften Architekten ausgeschrieben. ... An der Nordseite (Braubachstraße) ist ein langgestreckter Baukörper, der seinerzeit als „Verwaltungsgebäude für technische Ämter“ vorgesehen war. Dieser Bau war nie ein Alptraum der Frankfurter Bevölkerung. Er fügt sich in das Stadtbild an dieser Stelle harmonisch ein, gefährdet nirgends die wenigen erhaltenen historischen Bauten ringsum. ...

Dem Preisgericht hatten seinerzeit neben den Fachleuten auch der Frankfurter Oberbürgermeister, der Bürgermeister, der Baudezernent, der Stadtkämmerer, weitere Stadträte und Stadtverordnete angehört. Sie alle hatten mitformuliert: „Vor allem werden überaus hohe Baukörper hier als störend empfunden werden müssen.“

Ihr damaliges Urteil, das nicht mehr umzustoßen ist, sowie das Urteil der Städtebauprofessoren besagt unmißverständlich: Das geplante Technische Rathaus von 1969 ist an dieser Stelle fehl am Platz. Da der notwendige Raum für die in Miete domizilierenden städtischen Ämter auf Grund all dieser Überlegungen auf dem Domhügel nie zu schaffen sein wird, fordern wir daher für das Technische Rathaus einen Standort außerhalb des Dom-Römer-Bereichs. Dieser Standort muß allen zukünftigen Raumbedarf wirtschaftlich vertretbar befriedigen können.

... fordern wir den Bau eines „Musisch-Kulturellen Zentrums“ an der Stelle des jetzt geplanten Drei-Türme-Rathauses.

Wir wünschen zur Vitalisierung des historisch kostbaren Bodens zwischen Dom und Römer an der Braubachstraße ein architektonisch repräsentatives Gebäude. Es soll aufnehmen: 1. ein neues Rémond-Theater, 2. ein Frankfurter Kabarett, 3. große Ausstellungsräume für moderne Kunstausstellungen, damit Frankfurt auch auf diesem Gebiet wieder „vorn“ sein kann, 4. Begegnungsstätten für Kunst, heute „Workshop“ genannt, 5. ein Apfelweinlokal mit einer Stoltze-Gedächtnisstube.

Uns ist nicht bange, den Raum zwischen Dom und Römer mit Frankfurter Leben jeder Art zu füllen. Schließen Sie sich deshalb unserem Protest gegen den Plan der Bauverwaltung an. Schreiben Sie entweder an den Oberbürgermeister, den Bürgermeister oder schreiben Sie an ihren zuständigen Stadtverordneten. Schreiben Sie an die Parteileitungen.

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Frankfurter Bürgervereine e.V. - Freunde Frankfurts, Verein zur Pflege der Frankfurter Tradition e.V. – Kuratorium Kulturelles Frankfurt e.V. – Polytechnische Gesellschaft e.V. – Aktionsgemeinschaft Dom-Römerberg

(Flugblatt gegen den Bau des Technischen Rathauses, 1970)

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