Bund tätiger Altstadtfreunde
Der Bund tätiger Altstadtfreunde wurde 1922 vom Kunsthistoriker Dr. Fried Lübbecke, dem „Altstadtvater“, gegründet. „Der Zweck des Bundes ist, die Altstadt Frankfurt am Main auf sozialem, hygienischem und künstlerischem Gebiet in jeder Weise zu fördern“, hieß es in der Satzung des Altstadtbundes.
Der Altstadtbund sorgte dafür, daß bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs insgesamt 600 Altstadthäuser saniert und daß überflüssige, unpassende Anbauten beseitigt wurden, daß die Fassaden in Farben prangten und Fachwerk freigelegt wurde. Er besserte Brunnen aus, setzte Efeupflanzen an kahle Mauern, stellte Blumenkästen auf. Es gelang ihm, bei vielen Hausbesitzern wieder Stolz auf die Altstadt zu wecken.

Roseneck und Haus zum Christopfel (Große Fischergasse/Kleine Fischergasse)
Der Altstadtbund war entscheidend beteiligt an der Herstellung des Altstadtmodells der Brüder Treuner (im Historischen Museum). Er hatte ferner den Künstlerweihnachtsmarkt, eine Erwerbslosenküche, eine Weihnachtsbescherung für die Altstadtkinder in den Römerhallen und ein Kinderheim auf den Mainwasen eingerichtet.
Angesichts der bevorstehenden Luftangriffe auf Frankfurt ließ der Altstadtbund seit 1942 die Frankfurter Altstadt fotografisch erfassen und die Altstadthäuser verstärkt auf Plänen festhalten. Im Zweiten Weltkrieg wurde in kürzester Zeit all das, was der Altstadtbund geschaffen und erhalten hatte, in Schutt und Asche gelegt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg machte es sich der Bund tätiger Altstadtfreunde zur Aufgabe, an das Untergegangene zu erinnern und die Erinnerung daran zu bewahren.
Unter der Rubrik „Frankfurter Angelegenheiten“ konnte man in der Frankfurter Zeitung am 14.4.1922 im 1. Morgenblatt auf Seite 2 lesen:
Im Bürgersaal des Rathauses vollzog sich am Mittwoch die Gründung eines „Bundes tätiger Altstadtfreunde“. Dr. Fried Lübbecke hielt vor einem zahlreich geladenen Publikum den Einleitungsvortrag über Alt-Frankfurt, in dem er an Hand vieler Lichtbilder die mannigfaltigen baulichen Schönheiten des alten Frankfurts vor Augen führte und sodann in drastischer Weise auf die Zerstörungen und Verschandelungen hinwies, denen zumal die Altstadt seit dem Ende des letzten Jahrhunderts zum Opfer gefallen ist. Hier einen Wandel zu schaffen, aus Einwohnern Bürger zu machen, denen ihre Vaterstadt wieder eine Heimat bedeutet: das ist das Ziel, dem der Bund dienen soll. Geplant ist nicht nur Schutz der Altstadt und ihrer Schönheiten, sondern auch die Hebung der Wohnverhältnisse in diesem Stadtteil. Ferner denkt man u. a. daran, gewisse der Erhaltung werte Häuser in Patenschaft zu geben, alljährlich eine Prämiierung des am besten renovíerten oder gepflegten Gebäudes vorzunehmen, Publikationen, die auf die Altstadt bezug haben, zu veranstalten usw. Im Anschluß an den beifällig aufgenommenen Vortrag regte Stadtverordneter Lion, der die Neugründung begrüßte, zur Vermeidung einer Zersplitterung die Zusammenarbeit des Bundes mit dem Verein für Heimatschutz an. Anknüpfend an seine Kritik des Frankfurter Ortsstatuts, das, wie er betonte, bisher nur einen sehr unwirksamen Schutz gegen die Verunstaltung des Stadtbildes geboten hat, möchten wir daran erinnern, daß von einer Sachverständigen-Kommission des Rates für künstlerische Angelegenheiten Vorschläge zur Abänderung dieses Ortstatuts ausgearbeitet worden sind. Sie liegen dem Magistrat bereits seit etlicher Zeit vor, ohne daß man sie trotz der Dringlichkeit der Angelegenheit schon zum Gegenstand von Verhandlungen gemacht hätte.
Quelle:
„Frankfurter Angelegenheiten“, Frankfurter Zeitung, 14.4.1922, 1. Morgenblatt, S. 2

