Dr. Fried Lübbecke

Fried LübbeckeFried Lübbecke wurde am 3. Juli 1883 in Wittenberge an der Elbe geboren. Er wuchs in Blankenese und Stade auf, studierte Religionswissenschaft und Kunstgeschichte und promovierte 1908 in Bonn über „Die gotische Kölner Plastik“.

1909 wurde er an die Zeichenakademie in Hanau berufen, zwei Jahre später von Prof. Swarzenski ans Städelsche Kunstinstitut nach Frankfurt.

1919 wechselte Lübbecke ins städtische Messeamt, wo er verantwortlich war für die beiden jährlich stattfindenden Kunstausstellungen im Römer und für andere Ausstellungen.

Er wurde Frankfurter aus Leidenschaft, ein Kämpfer für die Stadt, vor allem für die Altstadt, das dem Untergang entgegendämmernde Stiefkind der Stadt, dessen trostlosen Verfall er sah, und für ihre Bewohner, deren Elend er erkannte. Er öffnete den Frankfurtern die Augen für dieses „holdselige Gassengewirr“ und machte es wohnlich, sauber und schön, so daß man mit Stolz dort leben konnte. Sein Wirken brachte ihm den inoffiziellen, von ihm selbst als Ehre und Anerkennung empfundenen Titel „Altstadtvater“ ein.

Basis seines Wirkens war der von ihm 1922 gegründete „Bund tätiger Altstadtfreunde“, der in den folgenden zwanzig Jahren eine Fülle von Maßnahmen zur Erhaltung und Sanierung und, schon angesichts der drohenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, zur Bewahrung im Bild anregte, finanzierte und ausführte. Daneben hatte es sich der Altstadtbund zur Aufgabe gestellt, in der Fürsorge tätig zu sein: Davon zeugten ein Kinderheim auf den Mainwasen und Weihnachtsbescherungen für die Altstadtkinder. Das Jahr 1933 warf auch auf Fried Lübbecke und seine Tätigkeit Schatten, so daß er sein Büro im Haus Wanebach verlassen und ein neues Domizil im Haus Fürsteneck, das dem Altstadtbund dank einer Spende gehörte, beziehen mußte. Immerhin konnte er und sein Verein im bisherigen Sinne für Frankfurt und seine Altstadt weiterwirken. Wir können uns vorstellen, wie schmerzvoll es für Fried Lübbecke war, als 1944 die Frankfurter Altstadt und auch das „Schopenhauer-Haus“ an der Schönen Aussicht, in dem er und seine Frau, die Pianistin Emma Lübbecke-Job, wohnten und ein Zentrum des künstlerischen Lebens in Frankfurt geschaffen hatten, in Schutt und Asche sanken.

Die Zerstörung der Altstadt hatte dem Bund seine eigentliche Grundlage entzogen. Für Fried Lübbeckes Rat und Ideen in der Zeit des raschen Wiederaufbaus gab es keinen Raum. Hatte er bereits in den 20er und 30er Jahren durch viele Publikationen Vergangenheit lebendig werden lassen, so setzte er das nun intensiv fort und versuchte mit seinem Wort die Liebe seiner Mitbürger zum Angestammten zu wecken.

Fried Lübbecke starb am 25. Oktober 1965 in Bad Homburg vor der Höhe, seinem Nachkriegsdomizil.

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