FREUNDE FRANKFURTS

Dr. Fried Lübbecke (1883—1965)

Der am 3. Juli 1883 in Norddeutschland geborene Gründer des Bundes tätiger Altstadtfreunde, heute FREUNDE FRANKFURTS, Fried Lübbecke, kam im Jahr 1911 nach dem Studium der Kunst­geschichte und ersten Tätigkeiten in Bonn und Hanau an die Städtische Galerie Liebieghaus nach Frankfurt. Im Jahr 1922 wechselte er zum Messeamt, 1928 zum Verkehrs- und Wirtschaftsamt und schließlich zum Kulturamt, für das er bis 1948 tätig war.

Fried Lübbecke, 1963
Dr. Fried Lübbecke an seinem 80. Geburtstag, 3. Juli 1963

Durch sein Studium bei dem Kunsthistoriker und erfahrenem Provinzialkonservator der Rhein­provinz Paul Clemen (1866—1947) war Lübbecke mit den Fragen der sich damals in Deutschland gerade etablierenden Denkmalpflege vertraut. Clemen gehörte zu den progressiven Konservatoren seiner Zeit und viele seiner denkmalpflegerischen Grundsätze sind heute noch aktuell. Lübbecke setzte sie in Frankfurt um.

Er erkannte schnell die Einzigartigkeit des über Jahrhunderte gewachsenen Ensembles der Frankfurter Altstadt und ihren hohen geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Wert, gleichzeitig aber auch das mangelnde Interesse der Stadtverwaltung, dieses zu wahren. Als einer der wenigen sah er, dass durch die städtischen Modernisierungspläne für die Altstadt nicht nur die Häuser, sondern die Identität der Stadt in Gefahr war, für immer unterzugehen. Die Probleme der Altstadt - zahlreiche vernachlässigte Häuser, in vielen Gebäuden Überbelegung von Wohnungen und Armut - hielt er für lösbar. Der erste Schritt dazu war die Gründung des Bundes tätiger Altstadtfreunde, der sofort große Unterstützung in allen Kreisen der Bevölkerung fand. Neben seinem unermüd­lichem Einsatz für die Bausubstanz und die Bewohner der Altstadt widmete sich Lübbecke als Kunsthistoriker der Geschichte der Stadt. Seine zahlreichen Bildbände, die er in Zusammenarbeit mit führenden Fotografen herausgab, machten den Zauber des Alten Frankfurts breiten Kreisen bekannt.

Die in den ersten zehn Jahren erzielten Erfolge gaben Lübbecke Recht und trugen ihm den Ehrentitel „Altstadtvater“ ein. Nachdem er Weihnachten 1933 eine Hakenkreuzfahne von der Nikolaikirche entfernen und durch den bis dahin üblichen Weihnachtsstern ersetzen ließ und nicht bereit war, jüdische Mitglieder aus dem Bund auszuschließen oder den Nationalsozialisten das Kinderheim des Bundes zu übergeben, wurde er öffentlich als Volksverräter und Volksfeind bedroht. Die Nationalsozialisten profitierten zwar in Bezug auf den Tourismus von dem, was der Bund in der Altstadt bis dahin geleistet hat, waren aber am Erhalt historischer Bauten nur sehr bedingt interessiert. Als städtischer Mitarbeiter wurde Lübbecke mit dem Erstellen eines Altstadt­katasters betraut, mit dem die sozialen Verhältnisse in den einzelnen Häusern erfasst werden sollten.

  • Blick vom Dom auf die Paulskirche
  • Die Ruine der Paulskirche
  • Paulskirche nach dem Wiederaufbau, 1949
Blick vom Dom auf die Paulskirche1 Die Ruine der Paulskirche2 Paulskirche nach dem Wiederaufbau, 19493

Nach dem Ende des Krieges wurde Lübbecke auf Wunsch des Oberbürgermeisters Walter Kolb (1902—1956) geschäftsführend an der Planung für den Wiederaufbau der im Krieg ausgebrannten Paulskirche, dem Symbol eines demokratischen Deutschlands, beteiligt. Dabei ergaben sich grund­sätzlichen Meinungsverschiedenheiten. Lübbecke strebte einen möglichst originalen Wiederaufbau an, während der zuständige Architekt und die Stadtverwaltung eine moderne Interpretation der Paulskirche bevorzugten. Lübbecke schied aus städtischen Diensten aus, setzte sich aber weiter für die Ziele des Bundes tätiger Altstadtfreunde ein.

Meist vergeblich versuchte er an historischem Bestand zu retten, was in Frankfurt noch zu retten war. Der Zeitgeist war gegen ihn. Einzig die Anfänge des Wiederaufbaus der Alten Oper hat Lübbecke noch miterlebt, die Anerkennung seiner grundsätzlichen Überlegungen zum Wieder­aufbau der Altstadt nicht mehr. Am 25. Oktober 1965 starb er in seinem Nachkriegsdomizil in Bad Homburg.

Aktualisierung: 11.05.2017