FREUNDE FRANKFURTS

Rundschreiben

Anfang Januar 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,

vielleicht haben auch Sie sich schon bei einem Spaziergang am Main gefragt, was die Messlatte und die Inschrift auf der Sandsteinmauer unterhalb der Schönen Aussicht, direkt neben der Alten Brücke eigentlich bedeuten. Es handelt sich um ein in ganz Europa einmaliges Dokument: ein in Stein gemeißelter historischer Brückenpegel, an dem die Schiffer seit 1826 die genaue Höhe zwischen dem wechselnden Wasserstand und dem untersten Rand der Alten Brücke ablesen konnten.

Brückenpegel
Brückenpegel, Alte Brücke (Ausschnitt), © Georg Ch. Dörr

Schuhmaas über dem O Punct, Rheinischer – Frankfurter lautet die oben angegebene Inschrift. Mit „Fuß“ oder „Schuh“ wurde früher die Länge gemessen. Unterteilt wurden sie in jeweils zwölf Zoll. Ein Problem war, dass ein Schuh oder Fuß nicht überall gleich lang war. So maß der Frankfurter Schuh nur 28,46 cm, der Rheinische dagegen 31,38 cm. Und da auf dem Main vor allem rheinische wie fränkische Schiffer aus Würzburg verkehrten, deren Fuß fast dem Frankfurter entsprach. war es sinnvoll, zwei Messlatten anzubringen. Jeder Schiffer konnte nachprüfen, ob er unter der Brücke durchfahren konnte, ohne seinen Mast einholen zu müssen.

Die wichtigste Markierung auf jedem Brückenpegel war der in der Inschrift als „O“ angegebene Nullpunkt. Er befand sich nicht etwa am Grunde des Flusses sondern in der Höhe des „durchschnittlichen Niedrigwassers“ des Mains. Und das lag dort bei einem Frankfurter Fuß und 4 Zoll, bzw. bei knapp 38 cm. Vor der Kanalisierung des Mains lag sein mittlerer jährlicher Wasserstand bei etwas mehr als zwei Rheinischen Fuß über dem Nullpunkt des Frankfurter Brückenpegels, also bei ca. 67 cm. In trockenen Sommern konnte er so tief sinken, dass die Schifffahrt zum Erliegen kam.

Fuß bzw. Schuh blieben das übliche Längenmaß, bis sie 1871 im gesamten deutschen Reich durch das metrische System abgelöst wurden. Und so wurde dem Brückenpegel 1872 rechts das Metermaß hinzugefügt. Nach der Kanalisierung des Mains spielte der Brückenpegel an der Alten Brücke für die Schifffahrt keine Rolle mehr und ab 1910 wurde er auch nicht mehr für statistische Aufzeichnungen genutzt.

Bald zweihundert Jahre hat unser Brückenpegel Wind und Wetter getrotzt. Dass er inzwischen durch das von der Straße herablaufende Regenwasser gefährdet ist, zei die sich immer mehr ausdehnenden schwarzen Verfärbungen der Mauer. Die Freunde Frankfurts werden versuchen, die Stadtverwaltung zu überzeugen, dass dieses ungewöhnliche in Stein gemeißelte Dokument gesichert werden muss.

Von unseren anderen Projekten ist zu berichten, dass der Arbeitskreis St. Leonhardt sich weiter um die Restaurierung der Figuren vom Heiligen Grab bemüht. Und die Pläne für die Rettung des Gerechtigkeitsbrunnen hoffen wir, in den nächsten Monat konkret umsetzen zu können. All denen, die das eine oder das andere der beiden Projekte finanziell mit kleinen oder größeren Spenden unterstützen, gilt unser besonderer Dank.

Die Veranstaltungen der kommenden drei Monate finden Sie auf dem beigefügten Programm. Neue Erkenntnisse und einen Blick auf die menschliche Seite der in Frankfurt geborenen und aufgewachsenen Maria Sybille Merian bietet der erste Vortrag. Im Februar folgt die Präsentation eines Buches mit zehn Aufsätzen von Hans-Otto Schembs, das wir gemeinsam mit der Frankfurter Bürgerstiftung als Geschenk zu seinem 75. Geburtstag herausgeben. Durchaus amüsant ist die Geschichte eines Rechtstreits wegen unbezahlter Rechnungen(!) zwischen Goethes Großvater väterlicherseits, dem Schneidermeister Friedrich Georg Göthe, und dem Stadtsyndikus Dr. Johann Wolfgang Textor, seinem Urgroßvater mütterlicherseits.

Am 11. März 2017 findet dann dank der Gastfreundschaft der Frankfurt Bürgerstiftung wieder im Holzhausenschlösschen unsere Mitgliederversammlung statt, zu der ich Sie auch im Namen des Vorstands ganz herzlich einlade.

Mit allen guten Wünschen für das Neue Jahr und herzlichen Grüßen Ihre

Dr. Barbara Deppert-Lippitz
Geschäftsführende Vorsitzende

Neue Anschrift und Telefonnummer:
Freunde Frankfurts, Baumweg 43, 60316 Frankfurt am Main
Tel. 0170-48 23 274.

Aktualisierung: 22.12.2016