FREUNDE FRANKFURTS

Rundschreiben

Ende März 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder,

mit ihrem ovalen Grundriss, den ausgewogenen Proportionen, der vornehmen Fassadengliederung und dem mattroten Sandstein ist die Paulskirche trotz der Eingriffe in der Nachkriegszeit immer noch ein bemerkenswertes Beispiel klassizistischer Architektur in unserer Stadt. 1833 geweiht war sie nicht nur ein Haus zu Ehren Gottes, sondern repräsentierte auch das evangelisch-lutherische Frankfurt so, wie es sich im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts selber sah: Gottesfürchtig, aufgeschlossen, würdevoll und von zurückhaltender Eleganz. Gleichzeitig ließen ihre 2000 Sitzplätze keinen Zweifel, welches die größte christliche Gemeinschaft in der Stadt war. Dieses Platzangebot war es, was die Paulskirche 1848 zu Frankfurts „größtem Saal“ machte und damit zum geeigneten Versammlungsort für die Nationalversammlung. Nicht ahnend, dass sie damit zur Wiege deutscher Demokratie werden sollte.

Blick auf die Paulskirche
Paulskirche, Stahlstich von Joh. Poppel, © Jens Giessen

An die Nationalversammlung von 1848/9 und die Bedeutung des Ortes für die Geschichte der deutschen Demokratie knüpfte der Magistrat bald nach 1945 an, als die Möglichkeit bestand, dass Frankfurt Hauptstadt der Bundesrepublik und damit Sitz des Bundestags werden könnte. Man beschloss den Wiederaufbau der bei einem Bombenangriff 1944 ausgebrannten Paulskirche und rief zu einer deutschlandweiten Spendenaktion auf. Ein möglichst originalgetreuer Wiederaufbau hätte zur Unterstreichung des demokratischen Bezugs nahegelegen. Aber natürlich sollte alles viel großartiger werden. Nachdem ein Architektenwettbewerb mit mehr als 100 Teilnehmern enttäuschte, wurde die Aufgabe einer Planungsgruppe unter Leitung des aus Köln herbeigerufenen katholischen Kirchenarchitekten Rudolf Schwarz übertragen.

 Aus seiner Meinung zur Paulskirche machte Schwarz keinen Hehl. „Die große Ruine war weitaus herrlicher als das frühere Bauwerk“, „ein riesiges Rund aus nackten, ausgeglühten Steinen von einer beinahe römischen Gewaltsamkeit. So schön war das Bauwerk noch niemals gewesen“, meinte er und schob damit das Werk der Frankfurter Baumeister Joh. Georg Christian und Joh. Friedrich Christian Hess, denen wir den klassizistischen Bau verdanken, beiseite.

 Die Paulskirche wollte er mit „mönchischer Strenge“ aufbauen, was zwar nicht unbedingt zum evangelischen Frankfurt passt, er aber damit begründete, „sodass darin kein unwahres Wort mehr gesprochen werden konnte“. Wen Rudolf Schwarz verdächtigte, dort unwahre Worte gesprochen zu haben, die lutherischen Pastoren oder die Parlamentarier von 1848/9, verriet er nicht. Nationalsozialistisch war die Paulskirche nicht vorbelastet. Kein Wort verlor Rudolf Schwarz dazu, dass die Paulskirche immerhin die lutherische Hauptkirche der Stadt Frankfurt war, und auch ihre demokratische Vergangenheit scheint ihn nicht interessiert zu haben. Zusammen mit dem Planungsstab baute er nicht auf, sondern setzte seine ganz persönlichen Ideen zur Architektur um und nannte das „Fortschreiben der Geschichte“. Das ursprüngliche Dach entfiel, ein tiefer liegendes Erdgeschoss und eine zusätzliche Fensterreihe im Sockel des Gebäudes wurden hinzugefügt. Immerhin ist außen der Grundgedanke des ursprünglichen Baus noch erkennbar. Mit der radikalen Umgestaltung des Innenraums dagegen ging jeder Bezug zu den Demokraten von 1848 verloren.

Als Anlage zu diesem Schreiben finden Sie diesmal auch die Tagesordnung zur Mitgliederversammlung am 18. April 2018, zu der ich Sie im Namen des Vorstands ganz herzlich einlade. Die Mitgliederversammlung gibt uns die Möglichkeit, Sie über unsere Aktivitäten, die natürlich weit über das Veranstalten von Vorträgen hinausgehen, zu informieren. Und für Ihre Anregungen und Kritik sind wir immer dankbar.

Mit allerbesten Grüßen, Ihre

Dr. Barbara Deppert-Lippitz
Geschäftsführende Vorsitzende

Neue Anschrift und Telefonnummer:
Freunde Frankfurts, Baumweg 43, 60316 Frankfurt am Main
Tel. 0170-48 23 274.

Aktualisierung: 08.04.2018